Trockenes Holz ist die wichtigste Voraussetzung für ein sauberes Feuer. Doch wann ist Holz eigentlich „trocken“? Die Angabe „unter 20 Prozent“ liest man häufig – nur meinen nicht alle dasselbe damit. In diesem Ratgeber klären wir die Begriffe, nennen die Grenzwerte und zeigen Ihnen, wie Sie die Restfeuchte Ihres Brennholzes mit einem handelsüblichen Messgerät selbst prüfen.
Wassergehalt und Holzfeuchte – der kleine, wichtige Unterschied
In der Praxis werden zwei Größen verwendet, die beide in Prozent angegeben werden, aber unterschiedlich definiert sind:
- Der Wassergehalt beschreibt den Anteil des Wassers am Gesamtgewicht des feuchten Holzes.
- Die Holzfeuchte – auch Feuchtegehalt genannt – setzt das Gewicht des Wassers ins Verhältnis zum Gewicht des vollständig trockenen Holzes.
Weil sich die Holzfeuchte auf die kleinere Bezugsgröße bezieht, fällt ihr Zahlenwert immer höher aus als der Wassergehalt desselben Scheits. Die Umrechnungstabelle zeigt den Zusammenhang:
| Wassergehalt | entspricht Holzfeuchte | Einordnung |
|---|---|---|
| 10 % | ca. 11 % | sehr trocken, zum Beispiel Holzbriketts und Pellets |
| 15 % | ca. 18 % | sehr gut getrocknetes Kaminholz |
| 20 % | 25 % | Obergrenze für den Einsatz im Kaminofen |
| 30 % | ca. 43 % | zu feucht, weiter trocknen |
| 50 % | 100 % | waldfrisches Holz |
Welcher Grenzwert gilt?
Die Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen – die 1. BImSchV – erlaubt in Kaminöfen nur Holz mit einem Feuchtegehalt von weniger als 25 Prozent, bezogen auf das Trocken- oder Darrgewicht. Umgerechnet entspricht das einem Wassergehalt von rund 20 Prozent. Die meisten handelsüblichen Messgeräte zeigen die Holzfeuchte an. Zeigt Ihr Gerät also weniger als 25 Prozent, ist der Grenzwert eingehalten. Für einen wirklich guten Abbrand sind Werte unter 20 Prozent Holzfeuchte empfehlenswert.
Warum zu feuchtes Holz ein Problem ist
- Ein großer Teil der Energie wird für das Verdampfen des Wassers verbraucht – die Heizleistung sinkt spürbar.
- Die Verbrennungstemperatur bleibt niedrig, es entstehen mehr Rauch, Ruß und Feinstaub.
- Im Schornstein können sich teerartige Ablagerungen bilden, die im ungünstigen Fall einen Schornsteinbrand begünstigen.
- Scheibe und Brennkammer verschmutzen deutlich schneller.
So messen Sie richtig
Am weitesten verbreitet sind Messgeräte mit zwei Einstechelektroden. Sie bestimmen die Holzfeuchte über den elektrischen Widerstand zwischen den Spitzen. Für ein aussagekräftiges Ergebnis kommt es auf die Messstelle an – denn außen trocknet ein Scheit viel schneller als im Kern.
Schritt 1: Scheit spalten
Nehmen Sie ein Scheit aus der Mitte des Stapels und spalten Sie es der Länge nach. Gemessen wird an der frischen Spaltfläche, nicht an der Außenseite und nicht an der Stirnseite.
Schritt 2: In der Mitte messen
Drücken Sie die Elektroden in der Mitte der Spaltfläche einige Millimeter tief in das Holz. Üblich ist die Messung quer zur Faserrichtung. Sollte die Anleitung Ihres Geräts etwas anderes vorgeben, richten Sie sich nach dieser.
Schritt 3: Mehrfach messen
Messen Sie an mehreren Stellen und an mindestens drei verschiedenen Scheiten aus unterschiedlichen Bereichen des Stapels. Der höchste Wert ist für die Beurteilung aussagekräftiger als der Durchschnitt.
Schritt 4: Temperatur beachten
Die Messung über den elektrischen Widerstand ist temperaturabhängig. Die meisten Geräte sind auf etwa 20 Grad Celsius abgestimmt. Stark durchgekühltes oder gefrorenes Holz liefert verfälschte Werte. Lassen Sie die Testscheite deshalb vor der Messung einige Stunden bei Zimmertemperatur liegen.
Typische Messfehler
- Messung an der Außenseite: Der Wert fällt zu niedrig aus, weil die Randschicht bereits abgetrocknet ist.
- Messung an regennassem Holz: Oberflächenwasser verfälscht das Ergebnis nach oben, sagt aber wenig über den Kern aus.
- Falsche Holzartengruppe: Einige Geräte bieten Einstellungen für verschiedene Holzarten. Prüfen Sie die Auswahl vor der Messung.
- Schwache Batterie: Achten Sie auf die Batterieanzeige, unplausible Werte sind häufig ein Hinweis darauf.
Ohne Messgerät: Anhaltspunkte, aber kein Ersatz
Trockenes Holz ist spürbar leichter, zeigt Trocknungsrisse an den Stirnseiten und klingt beim Aneinanderschlagen hell. Die Rinde löst sich häufig von selbst. Diese Anzeichen sind hilfreich, ersetzen aber keine Messung: Ein Scheit kann außen rissig und innen noch deutlich zu feucht sein.
Wie lange muss Holz trocknen?
Frisch geschlagenes Holz benötigt bei guter, luftiger Lagerung je nach Holzart und Scheitgröße ein bis zwei Jahre, bis es ofenfertig ist. Harthölzer wie Eiche brauchen dabei eher länger. Kammergetrocknetes Holz wird in wenigen Tagen technisch auf einen niedrigen Wassergehalt gebracht und kann sofort verheizt werden – vorausgesetzt, es wird anschließend trocken gelagert.
Fazit
Ein Holzfeuchtemessgerät kostet wenig und schafft Klarheit. Wer den Unterschied zwischen Wassergehalt und Holzfeuchte kennt, an der frischen Spaltfläche misst und mehrere Scheite prüft, weiß zuverlässig, ob sein Brennholz bereit für den Ofen ist. Das schützt vor Ärger mit verrußten Scheiben, schont den Schornstein und sorgt dafür, dass die im Holz gespeicherte Energie als Wärme im Wohnraum ankommt.
Die Angaben in diesem Artikel sind allgemeine Richtwerte und ersetzen keine Beratung durch Ihren Schornsteinfeger, Ofenbauer oder die Bedienungsanleitung Ihrer Feuerstätte. Fragen beantworten wir gern persönlich.








