Viele haben es so gelernt: Papier nach unten, dünnes Holz darauf, große Scheite obenauf – und dann von unten anzünden. Das funktioniert, erzeugt in den ersten Minuten aber viel Rauch. Fachleute des Schornsteinfegerhandwerks und Umweltbehörden empfehlen deshalb seit einigen Jahren das Anzünden von oben. Die Methode ist einfach, benötigt kein zusätzliches Material und sorgt für einen deutlich saubereren Start. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie es geht.
Warum von oben anzünden?
Holz brennt nicht direkt. Durch die Hitze treten zunächst brennbare Gase aus, die sich über dem Holz entzünden. Wird ein Stapel von unten angezündet, erhitzen die Flammen alle darüberliegenden Scheite gleichzeitig. Es entstehen mehr Gase, als in der noch kalten Brennkammer vollständig verbrennen können – der Rest zieht als Rauch durch den Schornstein. Beim Anzünden von oben arbeitet sich das Feuer dagegen langsam nach unten. Die freigesetzten Gase strömen durch die heiße Flammenzone und verbrennen weitgehend. Das Ergebnis:
- sichtbar weniger Rauch in der Anheizphase,
- eine Scheibe, die länger sauber bleibt,
- ein gleichmäßiger Abbrand ohne hektisches Nachlegen,
- weniger Ablagerungen in Ofen und Schornstein.
Das brauchen Sie
- zwei bis vier trockene Scheite in ofengerechter Länge,
- eine Handvoll dünn gespaltenes Anzündholz, idealerweise Nadelholz,
- ein bis zwei Anzünder aus Holzwolle und Wachs.
Verzichten Sie auf Zeitungspapier, Karton und flüssige Brandbeschleuniger. Papier erzeugt viel Flugasche, Brandbeschleuniger sind im Kaminofen gefährlich und nicht zulässig.
Schritt für Schritt
1. Brennkammer vorbereiten
Entfernen Sie überschüssige Asche. Ein dünnes Aschebett darf bei vielen Öfen liegen bleiben – beachten Sie hierzu die Bedienungsanleitung. Öffnen Sie die Luftregler vollständig. Bei Öfen mit getrennter Primär- und Sekundärluft werden zum Anheizen in der Regel beide Regler geöffnet.
2. Scheite einschichten
Legen Sie zwei größere Scheite mit etwas Abstand nebeneinander auf den Boden der Brennkammer. Bei ausreichend Platz folgt quer darauf eine zweite Lage aus etwas kleineren Scheiten. Die Spaltflächen zeigen nach Möglichkeit nach oben oder zur Seite: Dort fängt das Holz leichter Feuer als an der Rinde.
3. Anzündmodul obenauf
Schichten Sie auf die oberste Lage vier bis sechs Stücke Anzündholz kreuzweise zu einem kleinen Gitter. In die Mitte dieses Gitters legen Sie den Anzünder.
4. Anzünden und Tür schließen
Zünden Sie den Anzünder an und schließen Sie die Ofentür. Manche Hersteller empfehlen, die Tür in den ersten Minuten nur anzulehnen – halten Sie sich an die Anleitung Ihres Geräts. Nun brennt zuerst das Anzündholz, dann greift das Feuer auf die darunterliegenden Scheite über.
5. Luftzufuhr anpassen
Sobald die oberen Scheite gut brennen und die Brennkammer heiß ist, reduzieren Sie die Primärluft entsprechend der Herstellerangabe. Drosseln Sie nicht zu früh und nicht zu stark: Ein Feuer, dem die Luft fehlt, schwelt und rußt.
Richtig nachlegen
Legen Sie erst nach, wenn die Flammen fast erloschen sind und ein kräftiges Glutbett vorhanden ist. Öffnen Sie die Tür langsam, damit kein Rauch in den Raum gezogen wird, und legen Sie ein bis zwei Scheite auf die Glut. Füllen Sie die Brennkammer nicht bis oben: Zu viel Holz auf einmal führt zu einer unvollständigen Verbrennung und kann den Ofen überlasten. Die empfohlene Holzmenge je Auflage finden Sie in der Bedienungsanleitung.
Häufige Fehler
| Fehler | Woran Sie ihn erkennen | Abhilfe |
|---|---|---|
| Zu feuchtes Holz | Zischen, dunkler Rauch, schwarze Scheibe | Nur Holz mit etwa 20 % Wassergehalt oder weniger verwenden |
| Luft zu früh gedrosselt | Träge, dunkelgelbe Flammen, Rußbildung | Regler erst schließen, wenn das Holz rundum brennt |
| Zu dicke Scheite beim Start | Feuer kommt nicht in Gang | Kleinere Scheite und ausreichend Anzündholz verwenden |
| Brennkammer überfüllt | Starke Rauchentwicklung, sehr hohe Temperaturen | Holzmenge laut Herstellerangabe einhalten |
Woran Sie eine saubere Verbrennung erkennen
Ein Blick genügt: Die Flammen sind hell und lebhaft, die Schamottesteine der Brennkammer brennen nach kurzer Zeit hell frei, und aus dem Schornstein steigt nach der Anheizphase kaum sichtbarer Rauch auf. Die Asche ist fein und hellgrau. Dunkle, grobe Rückstände und ein stechender Geruch weisen dagegen auf zu feuchtes Holz oder Luftmangel hin.
Was Sie niemals verbrennen sollten
In einen Kaminofen gehört ausschließlich naturbelassenes, trockenes Holz sowie die vom Hersteller zugelassenen Brennstoffe wie Holzbriketts. Lackiertes, beschichtetes oder imprägniertes Holz, Spanplatten, Verpackungsmaterial, Zeitungen in größerer Menge und Haushaltsabfälle sind tabu. Bei ihrer Verbrennung entstehen Schadstoffe, die Ofen und Schornstein angreifen, die Nachbarschaft belasten und gesetzlich verboten sind. Auch Brandbeschleuniger wie Spiritus oder Benzin haben am Ofen nichts verloren.
Fazit
Das Anzünden von oben erfordert nur eine kleine Umstellung der Gewohnheit, bringt aber spürbare Vorteile: weniger Rauch, weniger Ruß und ein Feuer, das von Beginn an gleichmäßig brennt. Zusammen mit trockenem Holz und der richtigen Luftführung ist es der einfachste Weg zu einem sauberen und effizienten Betrieb Ihres Kaminofens.
Die Angaben in diesem Artikel sind allgemeine Richtwerte und ersetzen keine Beratung durch Ihren Schornsteinfeger, Ofenbauer oder die Bedienungsanleitung Ihrer Feuerstätte. Fragen beantworten wir gern persönlich.








